Alte Kinderspiele neu entdeckt – Teil 2

Kinder lieben es, sich im Freien auszutoben. Fangen, Verstecken oder einfach Erkundungstouren. Kinder sind meist schon mit simplen Ideen und Spielen zu begeistern. Also warum immer zu neuartigen, aufwendigen Trends greifen, wenn es doch schon seit Generationen wundervolle einfache Spiele gibt? Dieser Blogartikel stellt die 10 schönsten Straßenspiele aus Oma´s Zeiten vor. Jedes einzelne Spiel lässt sich spontan, ohne Hilfsmittel realisieren und ist besonders für Kinder im Kita- oder Schulalter geeignet.

  1. Der Klassiker: Gummi-Twist

Man benötigt ein gut 4 bis 5m langes und an den Enden zusammengeknüpftes Gummiband. Den Gummi spannt man, mit einem Abstand von etwa 2m, zwischen zwei Spieler oder falls nicht verfügbar alternativ zwischen zwei Stühle. Dann beginnen die Kinder, nach vorher festgelegten Hüpfregeln, einzeln oder auch paarweise zu hüpfen. Gestartet wird meistens mit den Grundsprüngen (Mitte, Grätsche, Raus). Angefangen wird mit einer niedrigen Höhe knapp über dem Boden, wobei der Schwierigkeitsgrad Schritt für Schritt erhöht wird, indem der Gummi vom Knöchel über die Waden, den Knien bis zu den Hüften immer höher geschoben wird. Eine weitere Schwierigkeitsvariante ist zum Beispiel, dass der Gummi-Twist nicht mehr in der Grätsche, sondern mit geschlossenen Beinen oder nur einem Bein festgehalten wird. Ein Kind hüpft immer so lange, bis ein Fehler gemacht wird und das nächste an die Reihe kommt. Gummi-Twist fördert Kondition und Geschicklichkeit.

  1. Fangen

Fangen spielen gibt es in vielen schönen Varianten. In der einfachen und klassischen wird ein Kind zum Fänger bestimmt und sobald dieser einen anderen Spieler abgeklatscht hat, wird dieser zum Fänger. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass der abgeklatschte Spieler auch zu einem Fänger wird und es hierdurch immer mehr Fänger werden, die die restlichen Spieler fangen. Witzig ist aber auch die Variante, bei der jeder abgeklatschte Spieler bewegungslos stehenbleiben muss, aber durch einen anderen, noch freien Spieler ebenfalls durch Abklatschen wieder frei wird und weiter am Spiel teilnehmen kann. Das Spiel ist immer zu Ende, wenn alle Spieler gefangen wurden.

  1. Hüpfkästchen

Für dieses Spiel braucht man ein Stück Kreide und einen flachen Stein. Mit der Kreide wird ein Spielfeld aus Quadraten auf die Straße oder den Bürgersteig gemalt und ein Stein in das erste Feld geworfen. Nun heißt es auf einem Bein loszuhüpfen. Das Kästchen mit dem Stein muss immer übersprungen werden. Im letzten Kästchen muss im Sprung umgedreht und zurück gehüpft werden. Wenn der Spieler die Runde ohne Fehler geschafft hat, wird der Stein in das zweite Feld geworfen. Tritt der Spieler jedoch auf eine der Kreidelinien oder landet der Stein in einem falschen Feld, ist der Nächste dran.

 

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  1. Eier- oder Kartoffellauf

Bei diesem Spiel können entweder immer zwei Kinder gegeneinander laufen oder auch alle gleichzeitig. Dazu benötigt man nur Esslöffel und Kartoffeln (oder Eier). Die Kinder stellen sich an einer Startlinie auf, legen die Kartoffel (oder das Ei) auf den Löffel und müssen diese bis zum Ziel bringen. Fällt einem Kind die Kartoffel (oder das Ei) herunter, fängt es beim Start wieder an. Sieger ist derjenige, der als erster – mit Kartoffel (oder mit Ei) – im Ziel ankommt.

  1. Sackhüpfen

Für dieses Spiel braucht man nur zwei Kartoffelsäcke. Es starten zwei Mannschaften gegeneinander. Die ersten Wettkämpfer erhalten einen Sack, in den sie einsteigen müssen. Nach Abhüpfen der Rennstrecke wird wie bei der Staffel der Sack weitergegeben bis alle durchs Ziel gehüpft sind.

  1. Komm mit

Für dieses Spiel bilden alle Kinder einen Kreis. Nur ein Läufer geht außen um den Kreis herum, sucht sich ein Kind aus, tippt es an und sagt: „Komm mit!“ Jetzt muss das angetippte Kind versuchen, den Läufer zu fangen, der seinerseits versucht, sich nach einer Runde um den Kreis auf die ehemalige Position des angetippten Spielers zu retten. Wenn das angetippt Kind es schafft, den Läufer zu fangen, bevor dieser sich in Sicherheit bringen kann, muss der Läufer in den Kreis und das angetippte Kind ist der neue Läufer. Wenn nicht, muss es wieder in den Kreis zurück. Das Spiel geht so lange, wie die Kinder Lust zu spielen haben.

  1. Reise nach Jerusalem

Die Anzahl der Stühle entspricht einem weniger als Kinder mitmachen. Die eine Hälfte der Stühle wird nebeneinander in einer Reihe aufgestellt. Die zweite Hälfte wird so dagegengestellt, dass die Stuhlrücken aneinanderstoßen. Die Kinder stellen sich nun um die Stühle herum auf. Es wird Musik angeschaltet. Solange diese spielt laufen die Mitspieler im Gänsemarsch hintereinander um die Stühle im Kreis herum. Stoppt die Musik, müssen sich die Kinder blitzschnell auf einen Stuhl setzen. Ein Mitspieler erwischt keinen Stuhl. Dieser Spieler scheidet aus. Alle Kinder stehen wieder auf. Ein Stuhl am Reihenende wird weggestellt und die Reise beginnt bei Einsetzen der Musik erneut. Dieses wird so lange fortgeführt bis nur noch ein Mitspieler übriggeblieben ist. Das ist der Sieger.

  1. Bäumchen wechsle dich

Für dieses Spiel werden ein paar Bäume benötigt, denn bis auf eines bekommt jedes Kind hierfür seinen eigenen Baum zugewiesen. Das Kind ohne eigenen Baum steht in der Mitte  zwischen allen anderen und ruft: „Bäumchen, wechsle dich!“ Nun müssen alle Kinder ganz schnell ihren Baum verlassen und sich einen anderen, freien Baum suchen. Auch das Kind in der Mitte versucht, einen Baum zu erreichen. Das Kind ohne Baum muss in die Mitte und ist als nächstes dran.

  1. Blindekuh

Einem Spieler, er ist die Blindekuh, werden die Augen mit einem Tuch oder Schal verbunden. Anschließend wird er von den anderen Spielern ein paar Mal im Kreis gedreht. Blind und orientierungslos muss die Blindekuh nun versuchen, einen anderen Spieler zu fangen. Diese wiederum tanzen um sie herum, rufen, zupfen und necken sie. Wer von ihr erwischt wird, ist die nächste Blindekuh.

Tipp: Am meisten Spaß macht dieses Spiel mit vielen Mitspielern Am meisten Spaß macht dieses Spiel mit vielen Mitspielern.

  1. Fischer wie tief ist das Wasser?

Zunächst werden zwei Grenzen festgelegt, die das Ufer zwischen dem Wasser darstellen. Das  Kind, das den Fischer (Fänger) spielt, stellt sich an das eine Ufer, alle anderen Spieler auf die andere Seite. Dann rufen die Kinder: “Fischer, Fischer wie tief ist das Wasser?” Der Fischer überlegt sich eine Tiefe aus und ruft zum Beispiel: “8 Meter.” Die Kinder: “Wie kommen wir hinüber?” Jetzt darf der Fischer bestimmen, wie die Kinder zur anderen Seite kommen müssen: auf allen Vieren kriechend, pfeifend, rückwärts laufend, auf einem Bein hüpfend oder in  Gänseschritten. Nun gehen die Kinder los und versuchen, das andere Ufer genauso zu erreichen. Auch der Fischer bewegt sich auf diese Art und versucht dabei, so viele Kinder wie möglich zu fangen. Wer gefangen wird, muss dem Fischer bei der nächsten Runde helfen. Gewonnen hat, wer als letzter übrig bleibt.

Tolle Kinderspiele für drinnen findest du hier.

 

Literatur-Tipps

Schöne alte Kinderspiele. Ideen für Kinder aller Altersstufen, von Gisela Dürr

Kinderspiele. Aus der guten alten Zeit, von Hajo Bücken

Alte Kinderspiele neu entdecken, von Hella Langosch-Fabri

 

Titelbild: ©Arieth/ pixabay