Alte Kinderspiele neu entdeckt – Teil 1

 

Erinnerst du dich noch an die Spiele, die du früher als Kind selbst gerne gespielt hast? Die Reise nach Jerusalem, Gummi Twist, Blinde Kuh oder Sack hüpfen sind dir sicher noch bekannt. Aber wie gingen die gleich nochmal? Und wie kann ich diese alten Spiele modern verpacken, um sie meinem Kind heute noch schmackhaft zu machen?

Spielen gehört zum Kindsein dazu!

Das Spielen ist bedeutend für die Entwicklung eines Kindes. Es ist ihre Art, sich mit dem ständig Neuen und Unbekannten vertraut zu machen. Ob beim Essen, Waschen, Anziehen oder Spazieren gehen – Kinder setzen sich spielerisch mit ihrer Umwelt auseinander. Auf diese Weise entdecken sie ihre eigenen Möglichkeiten und lernen viel über Gegenstände oder Situationen. Spielen fördert nicht nur die motorischen Fähigkeiten der Kinder, es verstärkt ihr emotionales Empfinden und verbessert ihre sozialen Stärken. Mit viel Bewegung trainieren die Kinder nicht nur ihre Ausdauer und ihr Körpergefühl. Sie bauen zugleich Stress ab und lernen ihren Körper besser kennen.

Deshalb lass deine Kinder spielen! Bewegung kann auch ein Kitzelkampf oder eine Kissenschlacht sein, mit einem Luftballon spielen, Rad fahren oder im Hof schaukeln, durch Regenpfützen springen, auf Bäume klettern, einen Drachen oder ein Papierflugzeug fliegen lassen.

Es klingt vielleicht paradox, aber Kinder brauchen nicht ständig ein Überangebot an Spielzeug und Beschäftigungsangeboten. Dadurch verlernen sie eher das Spielen. Die bunten Figuren und Puppen mit den fertig mitgelieferten Geschichten bieten den Kindern kaum Raum für eigene Ideen. Ihre Kreativität verkümmert beim Spielen mit diesen vorgefertigten Plastikprodukten. Als negative Folge sind Kinder dann gewohnt, immer unterhalten zu werden und können sich nicht mehr selber beschäftigen. Es ist alarmierend, wenn Kinder nicht mehr draußen herumtoben, sondern lieber an der Spielkonsole hängen.

Geht gemeinsam auf Entdeckungsreise

Spiele aus alten Zeiten eignen sich ganz wunderbar, um bei Kindern wieder die Lust am Toben zu wecken und sie ins Freie zu locken. Erzähl von deinem Alltag als Kind und erkläre, welche Spiele du früher besonders mochtest. Fragt auch Tanten und Großeltern nach deren Lieblingsbeschäftigung aus ihren Kindertagen. Und probiert die Spiele gemeinsam aus! Alte Kinderspiele machen dabei nicht nur Spaß, sondern enthalten erstaunlich viele pädagogische Lektionen. Oft geht es gar nicht um Gewinnen oder Verlieren. Stattdessen müssen sich die Kinder untereinander verständigen und zusammen kooperieren. Je mehr die Kinder aufeinander Rücksicht nehmen, desto mehr Spielfreude entwickelt sich. Und ganz nebenbei wird das soziale Verhalten der Kinder trainiert, denn nicht zuletzt lehren Spiele, dass es bestimmte Regeln gibt, an die man sich in der Gemeinschaft halten muss – im Spiel sowie im „wahren“ Leben.

 

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© Skitterfoto/ pixabay

Zur Erinnerung einige tolle Bewegungsspiele für große und kleine Kinder für Drinnen:

  1. Häschen in der Grube

Alle Kinder bilden einen Kreis während eines von ihnen, das Häschen in der Grube, mit geschlossenen Augen in der Mitte auf dem Boden sitzt und so tut, als ob es schläft. Die anderen Kinder singen nun: „Häschen in der Grube, saß und schlief, saß und schlief, armes Häschen, bist du krank, dass du nicht mehr hüpfen kannst. Häschen hüpf, Häschen hüpf“. Jetzt erwacht das Kind in der Mitte des Kreises und hüpft zu einem anderen Kind im Kreis. Dieses wird dann das nächste Häschen in der Grube.

  1. Stille Post

Die Kinder sitzen im Kreis. Das erste Kind flüstert seinem Nachbarkind einen Satz (oder ein Wort) ins Ohr. Dieses flüstert es an das nächste Kind weiter … und weiter … und weiter … bis die „Stille Post“ wieder beim „Absender-Kind“ angekommen ist und dies sie laut ausspricht. Herzhaftes Lachen ist hierbei garantiert.

  1. Ich packe meinen Koffer….

Alle Mitspieler sitzen im Kreis. Einer beginnt mit dem Satz: „Ich packe in meinen Koffer… eine Zahnbürste“. (Seinen Gegenstand sucht jeder Spieler selbst aus). Der nächste Spieler wiederholt den Satz und fügt etwas hinzu: „Ich packe in meinen Koffer… eine Zahnbürste und einen Badeanzug“. Der darauffolgende Mitspieler wiederholt erneut den kompletten Satz und ergänzt ihn: „Ich packe in meinen Koffer… eine Zahnbürste, einen Badeanzug und eine Tüte Gummibärchen“. So geht das Spiel immer weiter. Jeder Mitspieler wiederholt die Gegenstände aus dem Koffer und die anderen Mitspieler passen auf, ob er alles richtig macht. Tipp: Vereinbart vor Beginn des Spiels, ob ihr auch jeweils auf die genaue Reihenfolge der Dinge Wert legt oder ob ihr lediglich auf die Richtigkeit des Inhaltes (richtige Bezeichnungen) achtet. Sagt ein Spieler etwas Falsches oder kommt nicht weiter, muss er ein Pfand abgeben.

 

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© Missmaeva/ pixabay

  1. Topf schlagen

Dem ersten Spieler werden die Augen verbunden und er erhält einen Kochlöffel in die Hand. Er wird um die eigene Achse gedreht, damit er etwas die Orientierung im Raum verliert. In der Zwischenzeit stellen die anderen Mitspieler mit Abstand einen umgedrehten Kochtopf, unter dem sich ein Preis befindet, auf. Nun geht der Spieler mit den verbundenen Augen auf alle Viere runter auf den Boden. Er beginnt sich mit dem Kochlöffel klopfend im Raum umherzutasten. Die anderen Mitspieler helfen ihm durch Hinweise wie

„kalt“ = weit weg

„noch kälter“ = noch weiter weg

„ganz kalt“ = sehr weit weg

„wärmer“ = näher dran

„noch wärmer“ = noch näher dran

„heiß“ = ganz nah dran oder du hast es fast gefunden.

Das Kind muss also nur den Anweisungen der anderen Kinder folgen. Hat es den Topf gefunden und mit dem Kochlöffel daraufgeklopft, darf es die Augenbinde entfernen, den Topf umdrehen und den Preis/ das Geschenk an sich nehmen. Danach kommt der nächste Spieler an die Reihe und begibt sich auf die Suche.

  1. Ich sehe was, was du nicht siehst

Alle Mitspieler sitzen zusammen. Ein Spieler beginnt und sagt: „Ich sehe was, was du nicht siehst und das z.B. grün.“

Die anderen raten nun, was um sie herum grün ist, z.B. der Stift, das Kissen, die Mineralwasserflasche, die Blätter der Pflanze.  Wer das richtige Ding erraten hat, ist als nächster an der Reihe.

  1. Armer schwarzer Kater

Die Kinder sitzen im Kreis. Ein Kind wird ausgewählt und spielt den schwarzen Kater. Es krabbelt in der Mitte des Stuhlkreises herum und maunzt und jammert dabei herzergreifend. Nun wählt es sich ein Kind aus. Das ausgewählte Kind muss dem Kater dreimal über den Kopf streicheln und dabei sagen: „Armer schwarzer Kater …“

Der Kater gibt sich natürlich die allergrößte Mühe, so kläglich und jämmerlich oder vielleicht auch lustig auszusehen, dass das streichelnde Kind lachen muss. Doch wer lacht wird selbst zum „armen schwarzen Kater“, der in der Mitte herumkrabbeln muss.

  1. Papiertanz

Zunächst müsst ihr die Tanzpaare bestimmen. Je mehr mitmachen, desto spannender wird das Spiel. Jedes Tanzpaar stellt sich auf eine ausgebreitete Tageszeitung. Das ist nun eure Tanzfläche. Einer ist für die Musik zuständig. Jedes Mal, wenn er die Musik aufdreht, müssen die Paare auf dem Papier tanzen. Der Boden darf nicht betreten werden. Passiert dies doch einmal, scheidet dieses Paar aus. Das hört sich bis jetzt alles noch recht einfach an, aber immer wenn die Musik aufhört, wird die Zeitung einmal geknickt. Die Tanzfläche verkleinert sich somit. Nach einigen Runden wird es euch nur noch gelingen, auf Zehenspitzen zu stehen. Wer dabei dann auch noch tanzen kann, bleibt als Siegerpärchen übrig.

 

  1. Ballontanz

Immer zwei Kinder bilden ein Spielerpaar und klemmen sich einen Luftballon zwischen die Stirn, die Hände werden auf dem Rücken verschränkt. Nun müssen die Hindernisse auf Zeit überwunden werden. Der Ballon darf nicht mit der Hand berührt werden. Fällt der Ballon, muss der Lauf neu begonnen wird. Platzt der Ballon, scheidet das Paar aus. Das schnellste Spielerpaar gewinnt das Spiel.

 

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Titelbild: © Barni 1/ pixabay