Warum es sich als Eltern lohnt, auf sein Bauchgefühl zu hören

Kinder wachsen am besten  in ihren Familien gesund auf. Welche Kompetenzen dafür bei den Eltern vorhanden sein müssen, wird seit Jahrhunderten heftig und kontrovers diskutiert. Da gibt es einerseits einen riesigen Markt an Erziehungsratgebern, in denen Experten zum Thema Kindererziehung ganz konkrete Handlungsanleitungen und Erziehungstipps geben, die mal mehr, mal weniger wissenschaftlich fundiert sind. Anderseits gibt es immer mehr Stimmen, die für die Intuition und das Bauchgefühl plädieren, welche als kompetente Ratgeber instinktiv und automatisch bei allen Eltern zur Verfügung stehen, dem jedoch die Eltern aufgrund der vielen Ratschläge und Tipps von außen immer weniger Beachtung schenken sollen. Was bleibt, ist eine große Verunsicherung bei den Eltern und auch die Frage danach, wem man mehr Bedeutung zugesteht, der Intuition oder dem Wissen? Kann man die Erziehung rein intuitiv entscheiden oder braucht es Erziehungsratgeber? Wenn ja, welche?

Eltern verfügen über ein instinktives Gespür für ihre Kinder

Das Bauchgefühl meint im Allgemeinen unseren Instinkt, den sechsten Sinn, die innere Stimme, die Intuition. Es meint aber auch die Erfahrungen, die wir im Laufe unserer Lebensjahre gesammelt haben, die im Unterbewusstsein abgespeichert und deren Bewältigungsstrategien bei ähnlichen Situationen automatisch wieder abgerufen werden. Eltern brauchen bei der Kindererziehung diesen inneren Kompass der Intuition, denn dieser lässt uns spüren, welche Bedürfnisse das Kind hat und ob wir richtig bei unserer Erziehung liegen, ob die Beziehung zu unserem Kind gut läuft. Durch unsere Intuition „merken“ wir, ob es dem Baby zu kalt oder zu warm ist, ob es Hunger hat oder gerade nölig ist, weil es einfach nur müde ist. Und durch unser Bauchgefühl wissen wir auch, wie wir darauf am besten reagieren. Eltern müssen nur das Vertrauen in sich haben, diesen natürlichen Draht zu ihrem Nachwuchs auch in der Erziehung zu nutzen. Dieses Gespür zwischen Eltern und Kindern ist bei jedem Menschen vorhanden, weitgehend unabhängig vom Alter, Geschlecht, biologischer Elternschaft und Kultur.

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Querbeetlesen und kritisches Hinterfragen in der Erziehung kann ergänzend hilfreich sein!

Intuitives Empfinden ist definitiv eine wichtige Hilfestellung für Eltern, gerade wenn es um Antworten auf Fragen geht wie z.B. fühlt es sich für mich persönlich richtig an, wenn mein Baby in meinem Bett schläft? Ist es für mich in Ordnung, wenn ich die Flasche gebe?

In Stresssituationen, wie z.B. wenn das Kind schreit und sich nicht beruhigen lässt, ist jedoch neben Bauchgefühl und Intuition auch Wissen hilfreich. Denn gerade jene Situationen erfordern neue Bewältigungsstrategien, da die instinktiven Handlungen nicht greifen. Das Pucken ist beispielsweise eine Methode, auf die wohl die wenigsten Eltern intuitiv kommen würden, die jedoch unglaublich wirksam ist, um Babys zu beruhigen. Auch die Trotzphase bringt viele Eltern an ihre instinktiven Grenzen und da können Methoden z.B. von Dr. Karp („Das glücklichste Kleinkind der Welt“) sehr hilfreich sein.

Nur ein Bauchgefühl allein reicht also nicht aus, wenn nicht auch ein gewisses Maß an Wissen bei den Eltern hinzukommt. Zu diesen sollte sich auch ein kritisches Denken gesellen, denn nicht alle Tipps und Empfehlungen passen auch zu jedem Kind. Jede Familie steht vielmehr vor der Herausforderung, ihre eigenen Ideale, Werte und Standpunkte zu finden. Dabei hilft das ausgiebige Querbeetlesen und das kritische Diskutieren. Holt euch Anregungen, schaut wie Andere das machen und dann sucht euch euren eigenen Weg. Verunsicherung entsteht durch fehlende Informationen. Je mehr ich davon besitze und eine bewusste Entscheidung treffen kann, weil ich die Vor- und Nachteile genau abwägen kann, umso sicherer kann ich mit mir selbst, meiner Familie und den Kritikern aus meinem Umfeld umgehen!

Erziehungsratgeber, Tipps von Großeltern & Co – Segen und Fluch zugleich

Das ist oftmals ein sensibler Bereich. Die Formen von Ratschlägen und Einmischung sind mehr oder minder subtil: Sie reichen vom „Glaubst du nicht, es wäre besser …“ über „Also bei uns früher …“ bis hin zum massiven „Du verwöhnst das Kind!“.

Eltern, die mit solchen oftmals ungebetenen Ratschlägen konfrontiert werden, sollten sich selbst folgende Fragen stellen: Wie stehe ich zu der Person, die mir etwas rät? Warum gibt sie mir Ratschläge? Wenn die Motivation des Ratschlägegebenden analysiert ist, ist es oft leichter, sich nicht angegriffen zu fühlen und nachsichtige Reaktionen werden möglich. Wenn sich Großeltern & Co ungewollt einmischen, ist es sinnvoll, sie darauf hinzuweisen und dabei auch auf die eigene Sprache zu achten. Versuche weniger Du-Botschaften und eher Ich-Formulierungen zu verwenden. 

Feedback von außen kann allerdings auch hilfreich sein! Nicht jeder Erziehungstipp ist schlecht. Eine Wertung von außen kann auch Positives bringen. Zum Beispiel Eltern ein Verhalten vor Augen führen, dass sich unbeabsichtigt nach und nach eingeschlichen hat und gar nicht gewollt ist. Wenn gestresste Eltern beispielsweise immer gereizter mit ihrem Kind umgehen, kann ein freundlich ausgesprochener Hinweis von einer außenstehenden Person den Eltern das vor Augen führen. Und kann – vielleicht verbunden mit dem Angebot des Ratgebers, das Kind mal für ein paar Stunden den Eltern abzunehmen – sogar richtig hilfreich sein.

Das Wichtigste beim Abwägen sollte immer sein: das Wohl des Kindes steht im Vordergrund! Orientier dich an dem, was du selbst als Kind schön fandest oder vermisst hast! Erziehe und begleite dein Kind mit Verständnis und Mitgefühl. Und schenk dir und deinem Kind die Zeit, dass ihr euch kennenlernen könnt. Austausch, sei es virtuell, persönlich oder durch Bücher, ist unglaublich wichtig und im Sinne der Kinder. 

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