Kribbeln in den Fingern – Wie Eltern die Lust ihrer Kinder am Handarbeiten wecken können/ Experteninterview

Was heißt rechte Masche, was bedeutet links gestrickt? Was ist eine feste Masche? Was ist ein Stäbchen? Was sagt mir die Beschriftung auf einem Wollknäul? Welche Größe ist die Richtige bei Häkelnadeln oder meinen Stricknadeln?

Sabine Horvath, Inhaberin von wool & coffee gewährt Einblicke in ihre Arbeit und gibt Empfehlungen für Eltern, wie sie die Freude bei ihren Kindern am Stricken und Häkeln wecken können.

Die heilsame Kraft der Maschen

Was unsere Großmütter noch nicht wussten, ist heute wissenschaftlich erwiesen: Stricken ist gesund für Körper und Geist. Die lange Zeit als altbacken abgestempelte Handarbeit hat eine Reihe positiver Effekte: Stricken senkt den Blutdruck, baut Stress ab, stärkt Selbstvertrauen, Kreativität und logisches Denken.

Gerade bei Kindern ist das Handarbeiten sehr förderlich für ihre motorische und geistige Entwicklung. Die Hände müssen geschickt koordiniert werden. Das Arbeiten verlangt Ausdauer und Geduld. Kinder entwickeln beim Nähen, Stricken und Häkeln Empfindungen für Material, Formen und Farben. Überlegungen zu neuen Projekten trainieren Kreativität, Phantasie und einen Sinn für Ästhetik. Stolz und Freude stellt sich ein, wenn ein fertiges, selbst hergestelltes Kleidungsstück, ein Spielzeug oder ein Geschenk Anerkennung findet. Ein anderer Punkt sollte nicht außer Acht gelassen werden: Kinder lernen durch Handarbeiten den Wert einer Sache schätzen.

 

Wie kann ich dann als Mama oder Papa meinem Kind die ersten Handarbeitsstrickversuche Schritt für Schritt vermitteln?

  • Schon im Kindergartenalter beginnen: Schon kleine Kinder können Stricken lernen. Mit einem Strickring oder einer Strickliesel stellen sich schnell erste Erfolge ein, die zum weiteren Üben animieren. Und natürlich dürfen die Erwachsenen am Anfang ein wenig mithelfen. Im Grundschulalter können die Kinder dann dazu übergehen, ohne Hilfsmittel zu stricken. Auch dabei dürfen Eltern und Großeltern natürlich anfangs ein wenig helfen. Sie können sich vor allem um das etwas komplizierte Anschlagen der Maschen kümmern. Später schaffen die Kleinen aber auch das alleine.

  • Ideal für erste Strickversuche – Die Strickliesel: Ganz ohne elterliche Hilfe wird es zwar anfangs nicht gehen – auch bei der Strickliesel können Maschen verloren gehen, die wieder aufgesammelt werden müssen! – aber weitestgehend selbstständig kann das Kind an seinem Strickstück arbeiten und von Zeit zu Zeit stolz seine schnell sichtbaren Resultate präsentieren.

 

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© maxmann/ pixabay

 

  • Häkeln statt Stricken: Erste Handarbeitsversuche gelingen besonders jüngeren Kindern oft leichter mit der Häkelnadel als mit Stricknadeln, auch wenn Häkeln seinerseits die Schwierigkeit betreffend eine nicht zu unterschätzende Angelegenheit ist! Aber: Die Maschenaufnahme ist schon mal einfacher als beim Stricken und das Produzieren einer Luftmaschenkette ein motivierender erster Schritt im Umgang mit Häkelnadel und Wolle. Weitere Vorteile des Häkelns: Nur in einer Hand muss eine Nadel gehalten werden und es gibt keine „unbenutzten“ Maschen, die schnell von der Nadel rutschen könnten. Ein Nachteil hingegen: Beim Stricken lässt sich viel einfacher erkennen, wo die nächste Masche darauf wartet, gestrickt zu werden. Beim Häkeln kann man besonders beim – bei den ersten Versuchen naturgemäß – nicht gleichmäßigen Maschenbild schon mal danebenliegen, so dass nur halbe Maschen aufgenommen werden, Einstichstellen übersehen werden oder Maschen entstehen, wo gar keine hingehören. Die Folgen für den ersten Topflappen: Nach und nach schwindet das Häkelstück in der Breite, das Ganze wird auf welche Weise auch immer irgendwie unförmig oder hat unschöne Ränder.

 

  • Mittendrin beginnen: Ob gestrickt oder gehäkelt: Die ersten Reihen sind sehr kniffelig. Den ersten Erfolgen und damit der Motivation des Kindes zuliebe sollten kleine Handarbeitsanfänger(innen) daher die Möglichkeit haben, an einem bereits begonnenen Stück weiter zu häkeln oder zu stricken, das nicht zu kurz sein sollte, damit es gut in der Hand liegt. Um den Erfolg kontrollieren zu können, am besten an einem mit einer geringen und leicht zu merkenden Maschenzahl pro Reihe, beispielsweise bei dickem Garn überschaubaren 10 bis 15 Maschen, die sich gut mitzählen lassen. Was beim Häkeln die einfachen festen Maschen sind, sind beim Stricken die rechten Maschen: Die vermutlich einfachste Art, ein angefangenes Stück Reihe um Reihe wachsen zu lassen. Beim Stricken gehen besonders am Reihenanfang und -ende gerne mal Maschen verloren, indem sie von den Nadeln rutschen. Gut ist es, wenn sich ein Elternteil oder ein anderer strickerfahrener Helfer finden lässt, der anfangs diese kniffeligen Passagen übernehmen kann. Dies gilt genauso beim Häkeln, bei dem die ersten und letzten Maschen pro Reihe die größten Tücken bereit halten können.

 

  • Ziele nicht zu hoch stecken: Wenn Kinder stricken und häkeln lernen wollen, dann sind schnell sichtbare Erfolge wichtig. Die Kleinen möchten nicht erst stundenlang stillsitzen, ehe sie etwas Greifbares in Händen halten. Es ist daher sinnvoll, dass Kinder mit dicker Wolle stricken lernen. Mit ihr lässt sich leichter umgehen, außerdem sind die ersten Reihen schneller fertig. Und statt eines Schals für sich selbst sollten die Kinder vielleicht erst einmal einen Schal für ihr liebstes Kuscheltier stricken. Der ist kleiner und deshalb viel schneller fertig. Eltern, die noch mehr Abwechslung in das neue Hobby ihrer Kinder bringen wollen, können Wolle in verschiedenen Farben besorgen. So kann das Kind zwischendurch immer wieder einmal die Wolle wechseln.

 

  • Übung macht den Meister: Manchmal reicht es, wenn Erwachsene ihnen zeigen, wie genäht, gestrickt oder gehäkelt wird. Gerade beim Nähen muss man ihnen einfach auch zutrauen, sich an die Nähmaschine zu setzen und etwas auszuprobieren. Eltern sollten ihnen kleine Aufgaben stellen und die Kinder aber auch selber experimentieren lassen. Eine eigene Nähmaschine ist sicher noch nicht erforderlich. Auf dem Kinder-Nähblog Kinderleicht und schön gibt es z. B.  Druckvorlagen  zum Downloaden. Hiermit kann das Kind üben, gerade Linien, Ecken, Rundungen und Zacken zu nähen. Später kann es sich aus den kindgerechten Anleitungen ein Objekt auswählen, das es nähen möchte.

 

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©Foundry/ pixabay

 

Wo können Kinder nähen, stricken und häkeln lernen?

Nicht immer können Eltern ihren Kinder Hilfestellung geben. Deshalb bieten Handarbeitsgeschäfte spezielle Kurse für Kinder an. Die Geschäftsinhaber, wie z.B. Sabine Horvath von wool & coffee zeigen den Kindern in Kinderworkshops, wie genäht, gestrickt oder gehäkelt wird. Dabei macht es sicher viel Spaß, zusammen mit anderen Kindern die Grundkenntnisse eines neuen Hobbys zu erlernen. Frag einfach einmal im Handarbeitsgeschäft deines Vertrauens nach.

Hilfe bietet auch die Internetseite Kinitti von der Intiative Handarbeit e. V. Hier werden Eltern und Lehrer unterstützt, Kinder ans Stricken, Nähen und Sticken, Häkeln und Filzen heranzuführen. Die einzelnen Techniken werden mit vielen Bildern erläutert. Bei den Anleitungen muss ein Kind durch die Angabe von Schwierigkeitsgraden zunächst einmal seine Fähigkeiten einschätzen. Es kann die Anleitungen nach Fähigkeiten filtern, so dass es die schwierigeren Projekte nicht sehen kann. Das Grundwissen zur jeweiligen Technik wird in kleinen Lektionen vermittelt. Das Kind kann sich so auf eine einzelne Lektion konzentrieren und die Kenntnisse festigen.

 

Buchtipps:

  • Franziska Heidenreich: Häkel mit! Neue Ideen aus der Kinderhäkelschule
  • Franziska Heidenreich: Strick mit! Neue Ideen aus der Kinderstrickschule

 

Die Expertin:

Sabine Horvath ist Inhaberin von wool & coffee im Salzburger Stadtteil Itzling. Sie bietet damit seit August 2016 einen gemütlichen Treffpunkt für Jung und Alt , in der neben der Tasse Kaffee oder Tee vor allem gemeinsam gestrickt und gehäkelt werden kann.  Zudem verfügt sie über ein breites Angebot an Wollartikeln – für jeden Geldbeutel ist etwas dabei! Vor allem für Allergiker bietet Sabine neben ihren typischen Wollen auch vegane Wolle an. Hier gibt es zum Beispiel ein Garn aus Meeresalgen, Hanfwolle und eine Milchseide. Diese Milchseide wird aus der Molke hergestellt und eignet sich vor allem für Menschen, die Probleme mit Neurodermitis haben. Für Sabine ist das Handarbeiten ihr absolutes Hobby. Sie schätzt es sehr, dass man seine Kleidung selber machen kann und sie später als Unikate im Kasten hängen hat. Um das den Salzburgern neben dem Geschäft zusätzlich näher zu bringen, bietet Sabine Horvath jeden ersten Donnerstag einen Strickkurs an. Der Kurs ist je nach Können frei wählbar. Dann werden Socken gestrickt, Hauben gehäkelt oder Patschen gefilzt. Es gibt auch offene Strickrunden, wo die Teilnehmer Strickzeug selbst mitnehmen können.

 

Kontaktdaten:Unbenannt

Sabine Horvath

 

Internet: www.woolandcoffee.at

Facebook: wool and coffee

 

 

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