Gut informiert, ist halb gewonnen! – Im Gespräch mit den Stillberaterinnen Leila Said und Franziska Bock

Bereits zum 10.Mal fand die „Babywelt – Die Messe rund ums Kind“ im Oktober in München statt. Als Einkaufserlebnis mit fachkundiger Beratung bietet die Babywelt werdenden und jungen Eltern alles unter einem Dach: hochwertige Aussteller, Produktvorführungen, Workshops, Experten-Tipps und bunte Unterhaltung.  Es freut mich sehr, dass die beiden Stillberaterinnen Leila Said und Franziska Bock aus dem Berchtesgadener Land vor Ort waren und uns heute hier am Blog von ihren Eindrücken auf der Babymesse berichten und uns auch verraten, welche neue Ideen sich daraus entwickelt haben, die sie künftig im Berchtesgadener Landkreis umsetzen wollen.

 

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Was bietet die Babywelt?

Vom 13. bis 15. Oktober 2017 fand in München wieder die Babywelt statt. Die Babywelt hat sich als führende Babymesse im deutschsprachigen Raum seit 2008 etabliert und findet mittlerweile an acht Standorten statt: Hamburg, Dresden, Essen, Bodensee in Dornbirn (Österreich), Frankfurt, München, Berlin und Stuttgart. Auf der Babywelt- Messe präsentieren und verkaufen Hersteller und Händler aus den Bereichen Mobilität, Spielzeug, Gesundheit, Möbel, Pflege und Mode die neuesten Trends und Entwicklungen zu Themen rund um Schwangerschaft und Baby. Die abwechslungsreiche Mischung aus individuellen Ständen lokaler Aussteller und bekannter Marken hält für jede Familie das Passende bereit und punktet mit persönlicher Beratung und attraktiven Messe-Angeboten. Neben der Suche nach Informationen bietet die Babywelt spannende Angebote für Groß und Klein zum Mitmachen, Ausprobieren und Entspannen.

Welche Themen haben euch besonders interessiert und warum?

Tragewelt

Als Still- und Trageberaterinnen interessierte uns besonders die Tragewelt. Wir besuchten deshalb das Tragenetzwerk, Helden tragen, Kokadi, Ergobaby, Kindsknopf und Nekoslings. Hier schauten wir uns verschiedene ergonomische Tragehilfen, Tragetücher und Tragejacken an. Wir konnten alles anfassen, mit Kind oder Tragepuppe ausprobieren.

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Foto: Element People Fotografie

Kindersicherheit

Besonders interessiert hat uns auch die Sicherheit von Kindern im Auto. Wir ließen uns dazu an den Informationsständen von BeSafe, den Zwergperten, kiddy, den Kindersitzprofis und Britax Römer zum Thema Reboarder beraten. Bei Reboardern handelt es sich um rückwärtsgerichtete Kindersitze der Gruppe 1, das heißt bis mindestens vier Jahre. Diese gelten im Vergleich zu vorwärtsgerichteten Sitzen als vier mal sicherer.

Danach haben wir an den verschiedenen Ständen mit teilweise handgefertigter Baby- und Kinderkleidung gestöbert und viele schöne Dinge entdeckt, größtenteils in Bioqualität. Es waren unter anderem Halalino, Fuchs und Kiwi, Hobea, Lotties, limango, Superfit, Elefanten und MyMomDesign vertreten.

 

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Foto: aus Privatarchiv von Katharina Theißig

 

Wie lautet euer Gesamturteil zur Babywelt?

Insgesamt war der Tag auf der Messe ein tolles Erlebnis. Es gab alles was das Mamaherz begehrt mit tollen Messerabatten, Gewinnspielen und Geschenken. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, auch für werdende Eltern. Theoretisch kann man die komplette Erstaustattung auf der Messe erwerben, inklusive neuem Familienauto und Haus.

Ein großer Pluspunkt der Messe sind die Möglichkeiten zum Wickeln, Stillen, Fläschchen geben und Füttern in eigenen, abgeschirmten Bereichen. Trotz des Trubels war es so möglich, in aller Ruhe sein Kind in gemütlicher Atmosphäre zu versorgen. In der Stilllounge standen neben gemütlichen Sesseln und einem Glas Wasser Stillberaterinnen zur Verfügung.

Ein Highlight der Messe waren die Workshops zu den verschiedensten Themen: Sicherheit im Auto, Mut zum Stillen, Gelder rund um Schwangerschaft und Elternzeit, Beikost, Babypflege, Tragen, Sprachlernen von Kindern und vieles mehr.

Auf der Showbühne wurde den ganzen Tag ein buntes Programm geboten. Unter anderem wurden dort verschiedene Sportarten für Mama und Kind vorgestellt wie zum Beispiel Kanga, Mawiba, fitdankbaby und Buggyfit. Zusätzlich gab es Zaubershows, Kinderkonzerte und ein Lauflernwagenrennen.

Die meisten der sportlichen und beratenden Angebote waren von Anbietern aus und um München, allerdings gibt es auch bei uns im Berchtesgadener Land und Salzburg solche Angebote (z.B. Zwergperten Salzburg, Kangatraining BGL und Traunstein, Stillberatung durch die Afs und Trageberatungen).

Mit welchen neuen Ideen seid ihr wiedergekommen, die ihr  im Berchtesgadener Landkreis umsetzen möchtet?

Uns ist aufgefallen im Berchtesgadener Landkreis, dass ein einen großen Unterstützungsbedarf bei den jungen Müttern gibt. Sie erhalten leider in den Krankenhäusern noch häufig unzureichend Still – Beratung, was zur Folge hat, dass viele junge Mütter das Stillen zu früh aufgeben oder sich entmutigen lassen. Was sie sich wünschen, wäre eine Ansprechperson, die sie in ihrem Stillwunsch bestärkt, und Stillschwierigkeiten mit Verständnis, Unterstützung und fachlichem Rat aus der Welt räumt. Oft sind es so einfache Dinge wie die Stillposition, die nicht ganz korrekt ist. Zuspruch und kompetente Anleitung haben dann rasch einen positiven Effekt. Nur in seltenen Fällen ist das Stillen überhaupt nicht möglich. Schwierige Lebensbedingungen und Stress, der oftmals von außen an die jungen Mütter herangetragen wird, z.B. in Form von unerbetenen Ratschlägen, kann einen guten Still-Start erheblich erschweren oder sogar vom Stillen abhalten.

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seeseehundhund/ pixabay

In einer solchen Situation kommt die Stillberaterin helfend zum Einsatz. Die Stillberaterin ist aber nicht nur Hilfe in der ersten Not, sie begleitet – wenn gewünscht – weit darüber hinaus die Mutter und ihr Baby bis zum Ende der Stillzeit, die je nach Belieben von Mutter und Kind einige Monate oder auch mehrere Jahre dauern kann. Stillberaterinnen sind mit besonderen Situationen vertraut, wie z.B. dem Stillen von Frühgeborenen, Zwillingen (Mehrlingen), Stillen nach Kaiserschnitt, wunden Brustwarzen oder Brustentzündung, Geschwister-Stillen, natürlichem Abstillen und Beikost. Mit ihrer Arbeit sollte die Stillberaterin keinesfalls als Konkurrenz der Hebamme angesehen werden, sondern eher als eine kompetente Partnerin in der Betreuung und Begleitung von Mutter und Kind in dieser wichtigen Lebensphase. Eine gute Stillberatung ist zeitintensiv und kann zwei Stunden und länger andauern. Das ist eine lange Zeit, die die junge Mutter dankend annimmt und oftmals braucht. Diese Zeit kann eine Hebamme, die zur Wochenbett-Nachsorge kommt, sicher nicht immer aufbringen, hat sie doch oft mehrere Wöchnerinnen, junge Familien und Schwangere zu betreuen. Bei Fragen zum Stillen bei Erkrankungen und Medikamentengabe verweisen die Stillberaterinnen an Fachleute aus dem regionalen Netzwerk.

 

Bisher gibt es im Berchtesgadener Landkreis nur wenige Stillberaterinnen. Aus diesem Grunde haben wir uns dafür eingesetzt, dass im Dezember ein Ausbildungskurs zur ehrenamtlichen Stillberaterin über die AFS in Freilassing angeboten wird. Aktuell werden auch noch Anmeldungen von interessierten Frauen entgegengenommen. Die AFS ist ein ehrenamtlich arbeitender, gemeinnütziger Verein zur Förderung des Stillens. Die Philosophie der AFS ist die Selbsthilfe mit ehrenamtlicher Mutter-zu-Mutter-Beratung bei offenen Stilltreffen, telefonischer Beratung vor Ort sowie über eine bundesweite Hotline. Die AFS-Stillberaterinnen sind Mütter (ohne medizinische Berufsausbildung) mit eigenen Stillerfahrungen und einer qualifizierten Aus- und Weiterbildung eigens für eigene Mitglieder entwickelt.

Zudem organisiert Leila Said seit einiger Zeit regelmäßig einen offenen Tragetreff im Werk 71 in Freilassing. In gemütlicher Runde können Erfahrungen ausgetauscht, Tipps und Tricks gegeben und andere Tragebegeisterte mit ihren Babys und Kleinkindern kennen gelernt werden. Immer dabei sind Tücher und Tragehilfen. Fragen werden von der Trageberaterin Laila Said beantwortet. Der nächste Baby- und Kindertragetreff findet am 24.11.2017 ab 10Uhr im Werk 71 in Freilassing statt.

Liebe Leila, liebe Franziska, ich finde es spitze, dass ihr euch so für junge Mamas im Landkreis engagiert. Bitte unbedingt weitermachen! Auch ich finde es total wichtig, das Stillen zu unterstützen und den jungen Mamas beratend zur Seite zu stehen. Es ist eben nicht egal, wie man auf die Welt kommt und die ersten Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre als Familie begleitet wird! Ich wünsche euch für eure weitere Arbeit alles Gute und ganz viele geglückte Still-Momente, die ihr begleiten dürft.

 

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Fotos: Aus Privatarchiv von Leila Said; Titelbild: TerriC/ pixabay